1,5 Grad versus 2 Grad Erhitzung
Nachdem sich die Vereinten Nationen im Pariser Klimaabkommen darauf geeinigt haben, die Erderhitzung auf 1,5°C-2°C zu begrenzen, wurde der Weltklimarat IPCC damit beauftragt, die Folgen dieser Temperaturanstiege genauer zu untersuchen. Aktuell beträgt der durchschnittliche globale Temperaturanstieg ca. 1,1°C. Es ist daher nicht mehr viel Raum bis zur 1,5°C-Grenze.
Die Unsicherheiten eines Emissions-Overshoots
Steigt die Erderhitzung mit dem bisherigen Tempo weiter an, wird die Grenze von 1,5°C Erderhitzung zwischen 2030 und 2052 überschritten. Alle Szenarien des IPCC zum CO2-Ausstoß, die eine Begrenzung des Temperaturanstiegs um 1,5°C langfristig ermöglichen, sehen einen sogenannten „Overshoot“ vor. Damit ist gemeint, dass zuerst mehr Emissionen ausgestoßen werden, als zur Einhaltung der 1,5°C-Grenze eigentlich erlaubt wären. In der Folge kann auch die Erderhitzung mehrere Jahrzehnte über der angestrebten Grenze von 1,5°C liegen, bevor sie sich dieser Marke wieder annähert. Das überschüssige CO2 muss aktiv aus der Atmosphäre entfernt werden, beispielsweise durch Aufforstung oder verschiedene technische Methoden zur CO2-Einspeicherung.
Die potenziellen Risiken eines Overshoots sind noch nicht hinreichend erforscht. Je ausgeprägter er ist, desto größer werden die Unsicherheiten, ob beispielsweise Kipppunkte ausgelöst werden. Es ist also unsicher, ob mit einem Overshoot die Erderhitzung tatsächlich langfristig auf 1,5°C begrenzt werden kann.
Die unterschiedlichen Auswirkungen von
1,5°C oder 2°C mehr
Ein Sonderbericht des Weltklimarats IPCC hat die unterschiedlichen Folgen einer Erderhitzung von 1,5°C gegenüber 2°C näher untersucht. Einige der Ergebnisse dieses Berichts sind nachfolgend aufgelistet, wobei es sich bei den Angaben um weltweite Mittelwerte handelt. Ein halbes Grad Erhitzung mehr scheint nicht viel, hat aber katastrophale Auswirkungen.
- Artensterben bis 2100
1,5°C: 6% aller Insekten, 8% der Pflanzen und 4% der Wirbeltiere werden ausgestorben sein
2°C: Dreimal so viele Insekten und jeweils doppelt so viele Pflanzen- und Wirbeltierarten werden ausgestorben sein im Vergleich zur 1,5°C-Erhitzung. - Korallenriffe
1,5°C: Bis 2050 sind mindestens 70% aller Korallenriffe weltweit abgestorben.
2°C: Alle Korallenriffe sind bis 2050 komplett verschwunden. - Hochwasser bis 2100
1,5°C: Bezogen auf den aktuellen Wert, wird sich das Hochwasserrisiko bis 2100 verdoppeln.
2°C: Das Risiko für Hochwasser steigt um 170%. - Extreme Hitzewellen mindestens einmal alle 20 Jahre
1,5°C: 9 % der Weltbevölkerung sind betroffen.
2°C: 28% der Weltbevölkerung sind betroffen. - Dürre und Wassermangel bis 2100
1,5°C: 50 Mio. Menschen betroffen
2°C: 410 Mio. Menschen betroffen
Einfluss auf den Meeresspiegelanstieg
Obwohl der Anstieg des Meeresspiegels bei 1,5°C nur 0,1m unter dem für 2°C liegt, wären 10 Millionen Menschen weniger durch die damit verbundenen Folgen gefährdet. Langfristig wird der Meeresspiegel sowohl bei 1,5°C als auch bei 2°C Erderhitzung sehr viel höher ansteigen und bis 2300 weisen die Klimamodelle Unterschiede im Bereich von mehreren Metern auf. Da sich diese Berechnungen aber so weit in die Zukunft erstrecken, enthalten sie auch vergleichsweise große Unsicherheiten.
Entscheidender ist das Tempo des Meeresspiegelanstiegs. Je langsamer das Wasser steigt, desto mehr Zeit haben Menschen, um sich anzupassen. Eine Begrenzung des weltweiten Temperaturanstiegs auf 1,5°C würde zu so einem langsameren Anstieg führen.
Egal um welche Bereiche es geht, jedes Zehntel Grad Erderhitzung verschlimmert die Konsequenzen und muss vermieden werden.
Quellen
- IPCC Special Report on the Ocean and Cryosphere in a Changing Climate ([H.-O. Pörtner, D.C. Roberts, V. Masson-Delmotte, P. Zhai, M. Tignor, E. Poloczanska, K. Mintenbeck, A. Alegría, M. Nicolai, A. Okem, J. Petzold, B. Rama, N.M. Weyer (eds.)]) 01. 2019 Cambridge, UK and New York, NY, USA IPCC
- Folgen der Klimakrise: 1,5 Grad versus 2 Grad 11. -0001 WWF.at