Kipppunkte – Die sich selbst verstärkende Gefahr im Klimasystem
Zahlreiche Systeme in unserem Klima von Wäldern über Gletscher bis zu Meeresströmungen reagieren ab einem sogenannten Kipppunkt sehr empfindlich. Beim Überschreiten solch eines Kipppunktes treten selbstverstärkende Effekte ein und das System organisiert sich neu. Dabei spricht man auch davon, dass das System von einem stabilen Zustand in einen anderen stabilen Zustand übergeht, der für Ökosysteme und Menschen allerdings fatale Folgen haben kann.
Ist ein Kipppunkt erst einmal überschritten, kann die weitere Entwicklung nicht mehr aufgehalten werden, auch dann nicht, wenn der Ausstoß aller Treibhausgase sofort beendet würde. Außerdem kann es zu einer Art Dominoeffekt zwischen mehreren Kippelementen kommen, sodass nacheinander mehrere Kipppunkte überschritten werden. Aus diesen Gründen warnen Forschende eindringlich davor, noch mehr Treibhausgase auszustoßen und so den Kipppunkten näher zu kommen.
Ein Beispiel für einen solchen Kipppunkt ist das Abschmelzen des arktischen Meereises. Die Oberfläche ist im gefrorenen Zustand weiß und reflektiert viel Sonnenlicht. Schmilzt das Eis jedoch, tritt die dunklere Meeresoberfläche hervor, die sich durch Sonneneinstrahlung weiter erhitzt. In der Folge schmilzt noch mehr Eis und der Effekt beginnt, sich selbst zu verstärken.
Verschiedene Kippelemente werden bei unterschiedlichen Temperaturbereichen instabil. Die Eisschilde Grönlands und der Westantarktis können bereits bei einer Erderhitzung von 1,5°C bis 2°C unaufhaltsam abschmelzen. Auch Korallenriffe werden in diesem Temperaturbereich in der Nähe des Äquators absterben.
Bei einem weiteren Temperaturanstieg drohen auch die Permafrostböden in Sibirien und dem Norden Kanadas aufzutauen. Zusätzlich kann es zum Absterben des Amazonas Regenwaldes kommen. Beides würde riesige Mengen an Treibhausgasen freisetzen und den Treibhauseffekt noch weiter verstärken.
Das Klima wird sich aufgrund dieser menschengemachten Krise noch über Jahrhunderte verändern, selbst dann, wenn es gelingen sollte, die Erderhitzung auf 1,5°C zu begrenzen. Insbesondere bei Klimamodellen über längere Zeiträume führen die Kipppunkte zu großen Unsicherheiten. Dennoch ist klar, dass sich das Risiko unaufhaltsamer Konsequenzen verstärkt, je mehr Treibhausgasemissionen wir verursachen.

Quellen
- Auf dem Weg in die "Heißzeit"? Planet könnte kritische Schwelle überschreiten (Will Steffen, Johan Rockström, Katherine Richardson, Timothy M. Lenton, Carl Folke, Diana Liverman, Colin P.Summerhayes, Anthony D. Barnosky, Sarah E. Cornell, Michel Crucifix, Jonathan F. Do) 08. 2018 Harvard University, Cambridge www.pik-potsdam.de