Stadtgrün

Stadtgrün ist ein wichtiger Bestandteil des urbanen Lebens und spielt eine entscheidende Rolle für unsere Umwelt, unser Wohlbefinden und unsere Gesellschaft. Es bietet eine Oase der Ruhe inmitten des hektischen Stadtlebens und kann für eine gesündere und lebenswertere Umgebung für uns alle sorgen.

Ein großartiges Beispiel für Stadtgrün in Norddeutschland ist der Stadtpark in Hamburg. Dieser Park ist ein beliebter Ort für Spaziergänge, Picknicks und andere Freizeitaktivitäten für Menschen aller Altersgruppen. Der Park bietet eine große Vielfalt an Bäumen, Sträuchern und Blumen sowie zahlreiche Teiche und Grünflächen, die die Luftqualität verbessern und eine natürliche Umgebung für eine Vielzahl von Tieren und Insekten bieten.

Der Stadtpark in Hamburg hat auch eine wichtige soziale Funktion für die Stadt. Er bietet einen Ort für Menschen, um sich zu treffen, sich zu entspannen und gemeinsam Zeit zu verbringen. Es gibt zahlreiche Freizeitmöglichkeiten wie Tennisplätze, Minigolf und eine Freilichtbühne, die für Konzerte und andere Veranstaltungen genutzt werden kann.  

Als Städter sehnst du dich vielleicht nach einer natürlichen Wohnumgebung. Das ist nur zu verständlich und andererseits ein Bestreben seit Jahrzehnten. Von Wegen, das Grün zu organisieren, erfährst du hier. Ein anderes Thema ist die Bedrohung der Grünen Lunge in der Klimakrise.

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Kieler Grüngürtel

Als „Kieler Grüngürtel“ werden die Grünflächen rund um die Stadt Kiel bezeichnet, die sich von Holtenau auf der nördlichen Seite des Kanals rund um die Förde bis Mönkeberg schlängeln. Dieser grüne Gürtel von Kiel wurde vor über 100 Jahren von dem damaligen Stadtbaurat Willy Hahn und dem Landschaftsarchitekten Leberecht Migge entworfen. Damals im Jahr 1922 war nicht der Schutz vor den Folgen der Klimakrise die Motivation hinter dem Projekt, sondern soziale Gründe. Der Zusammenschluss aus vielen verschiedenen Grünanlagen sollte zur Erholung und Gesunderhaltung der Stadtgesellschaft dienen sowie die Selbstversorgung der Stadt mit Lebensmitteln gewährleisten.

In Zeiten der Klimakrise, des Artensterbens und der Luftverschmutzung unter anderem durch dichten Verkehr profitiert Kiel in vielfacher Weise vom Grüngürtel. Durch Bauprojekte wie beispielsweise der Errichtung des Möbelhauses Höffner im Jahr 2021 oder des beschlossenen Ausbaus der Bundesstraße B404 werden Grünflächen, Wälder und auch Teile des historischen Kieler Grüngürtels zerstört.

Dabei übernehmen Pflanzen in der Stadt wichtige Funktionen. Sie senken nachweislich die Temperatur und bieten so gerade bei der zunehmenden Zahl von Tagen mit extremer Hitze effektiven Schutz. Außerdem leisten Kleingärten und intakte Wälder einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung der Artenvielfalt. In einer autofreundlichen Stadtentwicklung, wie sie in Kiel stattgefunden hat, finden Tiere und Pflanzen immer weniger Lebensraum. Nicht zuletzt helfen viele Pflanzen auch bei der Bekämpfung der Luftverschmutzung. 

Wer den Kieler Grüngürtel selbst durchstreifen möchte, kann dies entlang des 44,5 km langen Stadtgartenwanderweges tun.

Link zum Wanderweg durch den Kieler Grüngürtel: https://kiel.de/de/kultur_freizeit/kiel_erkunden/stadtgartenwanderweg.php

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Grünflächen- und Stadtplan von Willy Hahn 1922

Quellen
  • Soziales Grün in Kiel (Eva von Engelberg-Dockal) 11. 2002 Kiel Historische Gärten: GARTENDENKMALPFLEGE IN SCHLESWIG-HOLSTEIN
  • 100 Jahre Kieler Grüngürtel 11. -0001 Kiel Sailing City
  • Höffner - vom Kleingarten zum Möbelmarkt (Paul Hißmann) 11. 2021
  • Straßenbaupläne im Kieler Süden stoppen! 11. -0001 Vorfahrt für den Klimagürtel

Stadtgrün schützt vor extremer Hitze

In der Stadt ist es heißer als außerhalb. Dazu trägt die dichte Bebauung bei, denn Beton und Glas nehmen Energie von der Sonne auf und geben Wärme an die Umgebung ab. Gleichzeitig kann ein kühlender Wind die heiße Luft oft nicht einfach fort transportieren, weil Luftschneisen verbaut sind. In einer Studie zu diesem Thema kam der Britische Berufsverband von Immobilienfachleuten (RICS) zu dem Schluss, dass es in Städten sechs Grad heißer ist als auf dem Land.

Gesundheitsgefährdung durch Hitze

Die genannten Effekte werden durch die globale Erderhitzung noch verstärkt. In deutschen Städten wird in Zukunft die Anzahl heißer Tage mit Temperaturen von über 30°C sowie Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20°C fällt, steigen. Hitzewellen stellen dabei eine besonders starke Bedrohung für die Gesundheit der Stadtbewohner:innen dar. Die hohen Temperaturen belasten das Herz-Kreislauf-System, fördern die Ausbreitung von Allergien und Infektionskrankheiten und führen letztendlich auch zu vermehrten Todesfällen. 

Stadtgrün als Allzweckmaßnahme in der Klimakrise

Grünflächen sorgen aufgrund verschiedener Effekte für eine deutliche Abkühlung in den Städten, laut der Studie von RICS um bis zu 2,5°C. Durch die Verdunstung von Wasser kühlen Pflanzen ihre Umgebung ab und sorgen dadurch zusätzlich für kühlende Luftbewegung in den heißeren Orten der Stadt. Außerdem nehmen Grünflächen weniger Wärme auf und spenden Schatten, beides trägt dazu bei, dass sich die Stadt weniger stark aufheizt.

Nicht zuletzt filtern Pflanzen auch Schadstoffe aus der Luft. Eine Ausweitung des Stadtgrüns kann daher einen wichtigen Beitrag für den Umgang von Städten mit den Folgen der Klimakrise leisten. 

Um die Gefahr von Überschwemmungen bei Starkregenereignissen zu verringern, ist es wichtig, dass die Stadt die Wassermassen aufnehmen und ableiten kann. Stadtgrün leistet hier wertvolle Unterstützung. Wenn für Pflanzen weniger Fläche mit Straßen und Häusern versiegelt wird, kann Wasser besser versickern. Die Wurzeln vieler Pflanzen können zusätzlich dabei helfen, die Aufnahmefähigkeit des Bodens zu steigern und Erosion vorzubeugen.

Ganz nebenbei erhöhen Grünflächen nachweislich die Lebensqualität der Bewohner:innen.

Selbst aktiv werden: Projekt „Mehr Grün am Haus – Spür das bessere Klima!“ Grünflächen in Kiel:Kieler Grüngürtel

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Quellen
  • Grünflächen in Innenstädten senken die Temperaturen (Simon Rohrer) 07. 2011 Umweltnetz-schweiz.ch
  • Stadt im Klimawandel (Ulrike Weiland ) 07. 2018 Bundeszentrale für politische Bildung

Folgen der Klimakrise für das Stadtgrün

Die Grünflächen und Wälder in und um Städte haben eine ausgleichende Wirkung auf das Stadtklima und erhöhen die Lebensqualität der Bewohner:innen. Zudem leisten sie einen Beitrag zur Biodiversität. Die Erhaltung und Ausweitung dieser Ökosysteme ist somit ein vielseitiges Werkzeug zum Schutz gegen die Folgen der Klimakrise. Leider sind Wälder und Bäume in Städten in Deutschland selbst durch ebendiese Klimafolgen bedroht. Extreme Hitze führt zu einem Austrocknen der Bäume und erleichtert die Verbreitung von Schädlingen und Parasiten. Auch erhöhte Umweltverschmutzung oder Monokulturen in Wäldern machen die Pflanzen anfälliger für Krankheiten.

Um die Auswirkungen der Klimakrise auf die Wälder zu beobachten, erstellt sowohl das Land Schleswig-Holstein als auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft einen Waldzustandsbericht. Ein wichtiger Messwert in diesem Zusammenhang ist die sogenannte Kronenverlichtung. Sie gibt an, wie groß der Anteil der tatsächlichen Blattmasse ist, gegenüber der bei einem gesunden Baum zu erwartenden Blattmasse. Ist ein Baum beispielsweise durch extreme Hitze gestresst, entwickelt er weniger Blätter als ein gesunder Baum.

Bundesweit wird der Zustand des Waldes im Bericht zum Jahr 2021 gegenüber den beiden Vorjahren als unverändert schlecht ausgewiesen. Demnach wiesen nur 21 Prozent der untersuchten Bäume im Beobachtungsjahr 2021 keine Kronenverlichtung auf. Dagegen haben 35 Prozent eine deutliche Kronenverlichtung und die restlichen befinden sich in der Kategorie „Warnstufe“. Die langjährige Entwicklung ist schlecht, immer mehr Bäume weisen eine deutliche Kronenverlichtung auf.

Für Schleswig-Holstein kann der Landesbericht aus dem Jahr 2022 eine etwas positivere Bilanz ziehen. Auch hier haben sich die Kronenverlichtung und die Absterberate erhöht, allerdings ist es nicht zu einer ausgeprägten Dürre gekommen, weil die Regenmenge im langjährigen durchschnittlichen Mittel lag. Andererseits war auch dieses Jahr das wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen, die Temperaturen jedes einzelnen Monats waren deutlich höher als normal.

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Hitze ist besonders für Bäume in Städten ein Problem, weil dort unter anderem aufgrund der dichten Bebauung die Temperaturen um mehrere Grad Celsius höher sind als im Wald. Beobachtungen zeigen, dass bisher übliche Bäume im Kieler Stadtbild wie Esche, Ulme, Eiche, Kastanie und Platane von der Klimakrise erheblich betroffen sind. Daher prüft die Stadt Kiel gemeinsam mit anderen Städten seit 2016 welche Baumarten mit dem zu erwartenden Klima besser zurechtkommen. Zu diesem Zweck wurden Versuchsbaumarten gepflanzt, die regelmäßig untersucht werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass den Folgen der Klimakrise mit mehr Grünflächen in Städten entgegengewirkt werden kann. Allerdings ist es eine Herausforderung, die Pflanzen resistent gegenüber den extremen Veränderungen zu machen. Gerade für junge Bäume, deren Wurzeln noch nicht sehr tief reichen, sind extreme Hitze und Dürre ein Risiko und erschweren die Aufforstung.

Quellen
  • Konzept Stadtgrün (Carolin Breunig-Lutz, Florian Gosmann, Diana Sievertsen) 04. 2022 Kiel Landeshauptstadt Kiel
  • Waldzustandserhebung 2021 02. 2022 Bonn Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
  • Waldzustandsbericht 2022 11. 2021 Göttingen Ministerium für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz des Landes Schleswig-Holstein

Projekt »Mehr Grün am Haus – Spür das bessere Klima!«

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Das Projekt „Mehr Grün am Haus – Spür das bessere Klima!“ von der Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen dient dazu, die Vorteile von Stadtbegrünung aufzuzeigen und anhand von Beispielen vielfältige Möglichkeiten zum Selbermachen zu vermitteln. Die Bepflanzung von Fassaden, Dächern und Straßen wird als Anpassungsmaßnahme an die Klimakrise verstanden.

Die Initiative wird häufig von Anwohner:innen selbst ergriffen, die dann bei der praktischen Umsetzung professionelle Unterstützung erhalten, beispielsweise vom Düsseldorfer Verein Platzgrün. Auf diese Weise wurden schon verwahrloste Grünstreifen zwischen Gehweg und Straße aufgewertet. Wo vorher nur noch lückenhaft etwas Gras gewachsen ist, entstand mithilfe des Projekts eine Oase für Tiere und Menschen. Die Auswahl der Pflanzen fiel dabei so aus, dass das gesamte Jahr Blüten zu sehen sind – schön anzusehen und gut für Bienen und andere Insekten.

Darüber hinaus gibt das Projekt auf der Internetseite www.mehrgruenamhaus.de Tipps, wie das eigene Dach oder die Fassade bepflanzt werden kann. Interessant sind auch die Informationen zum Solargründach. Hier wird beschrieben, wie geeignete Pflanzen helfen können, den Ertrag einer Solaranlage zu steigern. Dadurch dass die Pflanzen, die unter den Solarmodulen wachsen, bei Hitze Wasser verdunsten, kühlen sie die Solaranlage von hinten. Auf diese Weise wird vermieden, dass die Anlage zu heiß wird und durch den höheren Wirkungsgrad bei moderaten Temperaturen wird mehr Strom produziert.

Wer nun in der eigenen Wohnung, auf den Dächern und Straßen der Stadt selbst mit dem Pflanzen anfangen möchte, findet auf der Website Antworten auf die häufigsten Fragen. Außerdem werden rechtliche Bedingungen und Fördermöglichkeiten erläutert.

Quellen
  • Mehr Lebensqualität durch Stadtgrün: Anwohner bepflanzen ihre Straße 06. 2022 Mehr Grün am Haus