Folgen der Klimakrise für das Stadtgrün

Die Grünflächen und Wälder in und um Städte haben eine ausgleichende Wirkung auf das Stadtklima und erhöhen die Lebensqualität der Bewohner:innen. Zudem leisten sie einen Beitrag zur Biodiversität. Die Erhaltung und Ausweitung dieser Ökosysteme ist somit ein vielseitiges Werkzeug zum Schutz gegen die Folgen der Klimakrise. Leider sind Wälder und Bäume in Städten in Deutschland selbst durch ebendiese Klimafolgen bedroht. Extreme Hitze führt zu einem Austrocknen der Bäume und erleichtert die Verbreitung von Schädlingen und Parasiten. Auch erhöhte Umweltverschmutzung oder Monokulturen in Wäldern machen die Pflanzen anfälliger für Krankheiten.

Um die Auswirkungen der Klimakrise auf die Wälder zu beobachten, erstellt sowohl das Land Schleswig-Holstein als auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft einen Waldzustandsbericht. Ein wichtiger Messwert in diesem Zusammenhang ist die sogenannte Kronenverlichtung. Sie gibt an, wie groß der Anteil der tatsächlichen Blattmasse ist, gegenüber der bei einem gesunden Baum zu erwartenden Blattmasse. Ist ein Baum beispielsweise durch extreme Hitze gestresst, entwickelt er weniger Blätter als ein gesunder Baum.

Bundesweit wird der Zustand des Waldes im Bericht zum Jahr 2021 gegenüber den beiden Vorjahren als unverändert schlecht ausgewiesen. Demnach wiesen nur 21 Prozent der untersuchten Bäume im Beobachtungsjahr 2021 keine Kronenverlichtung auf. Dagegen haben 35 Prozent eine deutliche Kronenverlichtung und die restlichen befinden sich in der Kategorie „Warnstufe“. Die langjährige Entwicklung ist schlecht, immer mehr Bäume weisen eine deutliche Kronenverlichtung auf.

Für Schleswig-Holstein kann der Landesbericht aus dem Jahr 2022 eine etwas positivere Bilanz ziehen. Auch hier haben sich die Kronenverlichtung und die Absterberate erhöht, allerdings ist es nicht zu einer ausgeprägten Dürre gekommen, weil die Regenmenge im langjährigen durchschnittlichen Mittel lag. Andererseits war auch dieses Jahr das wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen, die Temperaturen jedes einzelnen Monats waren deutlich höher als normal.

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Hitze ist besonders für Bäume in Städten ein Problem, weil dort unter anderem aufgrund der dichten Bebauung die Temperaturen um mehrere Grad Celsius höher sind als im Wald. Beobachtungen zeigen, dass bisher übliche Bäume im Kieler Stadtbild wie Esche, Ulme, Eiche, Kastanie und Platane von der Klimakrise erheblich betroffen sind. Daher prüft die Stadt Kiel gemeinsam mit anderen Städten seit 2016 welche Baumarten mit dem zu erwartenden Klima besser zurechtkommen. Zu diesem Zweck wurden Versuchsbaumarten gepflanzt, die regelmäßig untersucht werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass den Folgen der Klimakrise mit mehr Grünflächen in Städten entgegengewirkt werden kann. Allerdings ist es eine Herausforderung, die Pflanzen resistent gegenüber den extremen Veränderungen zu machen. Gerade für junge Bäume, deren Wurzeln noch nicht sehr tief reichen, sind extreme Hitze und Dürre ein Risiko und erschweren die Aufforstung.

Quellen
  • Konzept Stadtgrün (Carolin Breunig-Lutz, Florian Gosmann, Diana Sievertsen) 04. 2022 Kiel Landeshauptstadt Kiel
  • Waldzustandserhebung 2021 02. 2022 Bonn Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
  • Waldzustandsbericht 2022 11. 2021 Göttingen Ministerium für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz des Landes Schleswig-Holstein